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Deutliches Sprechen üben

Die nachfolgenden Beispiele stammen aus dem Buch-Klassiker
"Die Kunst des Sprechens- Der kleine Hey". Eine ergänzende DVD-Version zum Selbststudium gibt es hier...

Dieser Werk, von Julius Hey um 1900 erstellt, ist seitdem der Klassiker schlechthin für die ausbildung professioneller Sprecher.
Einige Beispiele aus diesem Werk demonstrieren die Arbeit (=ständiges Üben) mit der eigenen Stimme, der eigenen Artikulation. Anmerken möchte ich, dass es fast unmöglich ist, die eigene Stimme ohne professionelle Anleitung zu trainieren. Das Bucg alleine wird es nicht richten.

Sprechübungen für den Vokal "A"

Barbara saß nah am Abhang.
Sprach gar sangbar zaghaft langsam;
Mannhaft kam alsbald am Waldrand
Abraham a Sancta Clara.

Was hallt am Waldbach da?
Jagdklang schallt nah: Trara!

Nah dem hage Tannen schwanken,
Alles strahlet Abendprangen;
Klagend sang der alte Barde,
daß der Waldesrand es hallte!
Knaben kamen da gegangen,
sangen Psalmen, Banner tragend -
manchen prangt der Kranz am Arme.
Alle waren arme Waller,
rasten lange nah dem Walde.

Sprechübungen für den Vokal "Ä"

Welch schlecht berechtigtes Vermächtnis
Erwächst dem schwächlichen Gedächtnis!
Verächtlich schlecht der Knecht sich rächte:
Der nächtlich nächst dem Pächter zechte.
Fächer, Bänder, Festgepränge,
Selbstverständlich Männerschwärme!
Fächelnd, lächelnd, längs den Sälen
Schwärmt verächtliches Gedränge.

Sprechübungen für den Vokal "E"

Es streben der Seele Gebete
Den helfenden Engeln entgegen;
Entdecke des Herzens Wehe,
Wenn Schmerzen es brennend verzehren!

Wenn der Rebe rechter Segen Jede Seele mehr erreget,
Werde edel, selbstvergessen,
Schneller jedes Herz beweget!
Denn der hehren Lebensquelle,
Welche Edle stets belebt,
Werden Reben Segen geben –
Selbst der Menschen Weh entschwebt.

Schneebedeckte, feste Erde –
Lenzgeweckte erste Herde!
Ceres! Segenspendende –
Ew’ge, Verderbenswendende!
Sende den West dem Meere entgegen,
Spende der Erde schwellenden Segen,
Lechzender Herde den quellenden Regen!

Sprechübungen für den Vokal "I"

Spitzfindig ist die Liebe!
Sie minnt nicht immer blindlings;
Wie sie sich listig zieret,
Wirkt sie mit Witz nicht minder.
Ihr tiefes Inn’re liebt nicht,
Will sich nicht blindlings irren,
Wird sie mit ihrer Liebe
Sich schließlich nicht verwirren?

Wie sie friedlich, sinnig blickt,
Innig mild sich still vertieft –
Sinnenlieb’, die nie ersprießlich,
Wird sie sittig nimmer fliehn!
Kniend liegt sie - lieblich sinnend,
Sie, die still die Himmel minnt;
Ihr Beginnen ist verdienstlich,
Bringt ihr Himmelslicht, gibt Frieden!

Ist dies Idyll hier nicht des Friedens Bild,
Erblick ich’s, wie – in diesem Lichte wieder?
Im Innern klingt’s, wie frische Kinderlieder –
Wie innig wirkt’s, wie tief, wie himmelsmild!

Sprechübungen für den Vokal "O"

Oben thront der Nonnen Kloster.
Voll von Trost, voll hoher Wonne
Wohnen dorten fromme Nonnen,
Loben Gott vor Morgenrot.

O Sonne, thronst so wolkenlos!
Schon flog der Vogel hoch empor.
Wohl knospen Rosen schon, wo Moos –
So kommt der holde Sommerflor.
O wonnevoll – ohn’ Sorg’, ohn’ Not’,
Ob Sonne loht – ob Donner droht,
Dort oben hoch, wo Morgenrot
Gott loben fromm, schon vor dem Tod!

Polternd tobet Donners Rollen,
Sollte Gott wohl zornvoll grollen?
Opfertod! o wolle kommen,
Noch lohnt Gottes Sohn
Hoch vom Wolkenthron,
Sorg’ und Not, o Trost der Frommen! –

Trostarm kommt am Sonntag Dora;
Klopft dann fromm da Wolfgang fort war.
Doch was log – bald schroff, bald wortkarg –
Flora sorgsam, doch gar boshaft? –
„Wolfgang floh zwar, doch war todkrank!“

Sprechübungen für den Vokal "Ö"

Wer höhnt roh, wer stört so
Des Mönchs Wort?
Den schnöd Gold betört hold,
Der stört dort des Mönchs Wort! –

Klöster krönen öde Höhen;
Hör’ der Mönche Chöre tönen:
„Göttlich schön erlöst Versöhnen,
Böse mögen’s schnöd verhöhnen...“

Sprechübungen für den Vokal "U"

Und durch zukunftsdunklen Mund
Wurde Brutus’ Schuld nun kund:
„Gut und Blut trugst du zum Bunde –
Dulden mußt du nun zur Stund’,
Und der Fluch schuf Blut und Wunde!“

Sprechübungen für den Vokal "Ü"

Über der Wüste düstere Gründe
Führet die zürnenden Brüder vorüber;
Schüsse grüßen herüber, hinüber,
Künden die Führer der dürstenden Züge.
Sündiges Wüten, mit Flüchen verbündet,
Kürzen – wie trüg’risch – die Mühen der Wüste;
Drüben erst grüßen sie Frühlingslüfte,
Küssen trüb flüsternd die Düfte der Blüten!

Wüste Lücken, trübe Gründe,
Düst’re, grüngeschmückte Schlünde
Müssen kühn wir überbrücken –
Blüt’ wie Früchte rühmlich pflücken.

Sprechübungen für den Vokal "Ü" und "I"

Wüßt’ ich, wie stündlich dies schüfe ihr Glück,
Würd ich’s mit bündigen Schwüren ihr künden!

Sprechübungen für den Vokal "O" und "U"

Nun Roduro, mutvoll rufe –
Du – so ruhm-, so schuldlos duldend:
„Muros! Unhold!! Fluch folg’ ruhlos!
Und trotzdem Lug groll’ mutlos nur noch
Nur dort, um Roduros Blutsold!“

Allgemein

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